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Auch in Russland gab es das, was als «Paralleles Kino» bezeichnet wird - Kino, das sich ausserhalb des Studio-Systems bewegt und sich nicht so sehr um professionelle Standards kümmert. In der früheren UDSSR, wo Filmproduktion und -vertrieb in staatlicher Hand lagen, existierte Paralleles Kino als eigentliche Bewegung erst ab Mitte der 80er Jahre.
Als Geburtsdatum kann das Jahr 1987 festgelegt werden. Damals erschien eine Zeitschrift mit dem Namen «Cine Fantom». Die Autoren entstammten vorwiegend dem Umfeld des Parallelen Kinos. Ziel war es, was übrigens auch bei den Filmen der Fall war, dass sich Autoren und Leser in einem konstruktiven Dialog wiederfinden sollten, um so gegenseitig voneinander zu profitieren. Das Journal sollte als Plattform für die Entwicklung neuer Stile, Genres und Strukturen dienen.
Die Filmemacher stammten unter anderem aus Leningrad und Moskau. Spannend dabei war die Beeinflussung einiger der Künstler aus Leningrad - wie Evgeny Ufit, Oleg Kotelnikov oder Evgeny Kondratev - durch die damalige Punk-Bewegung. Einige waren selbst Musiker und nahmen aktiv an der Szene Teil. Kotelnikov war auch Maler und als ein Vertreter der «Neuen Wilden» Leningrads bekannt. Zu den wichtigsten Gründungsmitgliedern gehörten aber die beiden Brüder Igor und Gleb Aleinikov. Sie waren es auch, die in Moskau 1987 das erste Cine Fantom-Festival veranstalteten.
Vor Glasnost waren vor allem gesellschaftliche Tabus Themen der Filme. Mit der Perestroika 1988 suchte die Regierung im Zuge der intellektuellen Erneuerung des Landes Persönlichkeiten, die auch in der Öffentlichkeit die neuen Botschaften verkünden konnten - darunter die Brüder Aleynikov, Boris Yukhananov und Yevgeny Yufit.
Unter den Filmen besondere Beachtung verdienen die der Aleinikovs. Traktor (Traktoristy) von 1939, ein romantisches Drama, gefilmt auf einer ukrainischen Kommunen-Farm von Ivan Pyryev fand seine Fortsetzung in einer freien Interpretation 1992. Darin parodieren die Aleinikovs die Ideologie der staatlichen Strukturen.
Der Club Cine Fantom, der 1989 in Leningrad auch das zweite Festival durchführte, fand im Jahr 2000 nach einigem auf und ab sein vorläufiges Ende. Vier Jahre später wurde der Mythos reanimiert. Seither werden im Kino Fitil in Moskau wieder Filme gezeigt und Diskussionen durchgeführt.
Cine Fantom ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Filmgeschichte Russlands. Gerade auch deshalb, weil sich darin der kulturelle und politische Wandel des Landes widerspiegelt.
Links: einige der Filme sind zu sehen bei UbuWeb
Cine Fantom
(via: Grey Lodge)
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