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Was geschieht in der Zeit, die man vor dem Fernseher sitzend verbringt? Für einen selber nicht viel - und doch. Auf jeden Fall vergeht die Zeit, man wird älter, und die Dinge draussen vor der Türe gehen ihren Lauf. Das eigene Leben jedoch nimmt eine Art Auszeit. Die Erlebnisse der Protagonisten, die auf der Mattscheibe um ihr Leben kämpfen, sich verlieben, sterben oder die Welt retten haben keinen direkten Bezug zu einem selbst. Die unmittelbare Umgebung wird ausgeblendet, die eigene Körperhaftigkeit abgeschüttelt und die Grenzen des eigenen Denkens überschritten. Was jetzt noch aktiv ist, ist das Gehirn, die Aufmerksamkeit, die sich von einem selbst, hin zu den Geschehnissen im Film wegtransportiert. So verlebt man zwar das eigene Leben, erlebt dabei aber nicht wirklich etwas - was nicht heisst, dass das Ganze ohne Wirkung bleibt.
Welche Spuren das Fernsehen in Gesichtern von Kindern hinterlässt, zeigen Fotografien von Wolfram Hahn. Er hat Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren aus der Sicht des Fernsehers aufgenommen. Am auffallendsten ist, dass die Abgelichteten unauffällig sind. Sie zeigen kaum Reaktionen, weder Freude noch Trauer. Der Körper wird quasi in der gegenwärtig eingenommenen Haltung konserviert. Im Inneren geht natürlich umso mehr ab. Welten entstehen, entwickeln sich und brechen wieder in sich zusammen, was Spuren im Geist der Betrachter hinterlässt. Das alles ist jedoch in den Bildern des Fotografen nicht zu erkennen. Entstanden sind verstörende Bilder; man wundert sich, dass die innere Anteilnahme der Kinder nicht deutlichere Zeichen in ihren Gesichtern hinterlässt.
Wer sich selber ein Bild der Fotografien machen möchte:
Entzaubert, Wolfram Hahn/Daniel Klemm
Galerie C/O Berlin
02.06. bis 29.07.07
Mittwoch bis Sonntag, 11.00-19.00 Uhr
Links: Wolfram Hahn
Bericht in der Süddeutschen Zeitung
(via: rebel:art, Bilder: Wolfram Hahn)
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