Kooperation zahlt sich aus

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Auf lange Sicht ist Zusammenarbeit der bessere Weg als der Alleingang. Das ist die einfache Aussage der Studien Dr. Nowaks, Direktor des «Program for Evolutionary Dynamics» an der Harvard University.

In früheren Veröffentlichungen hat er bereits dargelegt, dass Zusammenarbeit (oder Kooperation) neben Mutation und Auslese (oder Selektion) eines der drei grundlegenden Prinzipien der Evolution ist. Mutation und Auslese sind dazu fähig, eine Spezis zu wandeln, sie mit neuen Eigenschaften auszustatten wie Glieder oder Augen. Aber alleine Zusammenarbeit ist dazu im Stande, Leben auf eine neue Stufe der Organisation zu heben.

Forschungsanlage
Die Frage ist nun, wie sich im Wettstreit stehende Individuen dazu angehalten werden können, miteinander zu kooperieren, um ein höheres Ziel zu erreichen. Um diese Frage, auch in Bezug auf biologische Systeme, zu beantworten, hat er sich des Spiels Gefangenendilemma (Prisoner’s Dilemma) bedient (s. Beschrieb ganz am Ende des Berichts).

In einer speziellen Version des Spiels traten Teilnehmer in einem Wettstreit jeder-gegen-jeden an und hatten die Wahl entweder zu kooperieren oder nicht. Dabei konnten sie früher gemachte Entscheidungen widerrufen. Auf Grundlage ihrer Entscheidungen wurden sie belohnt; die erfolgreichsten konnten eine Stufe weitergehen.

Verhalten
Dabei trat ein oft wiederkehrendes Verhalten zu Tage, das Dr. Nowak mit «Erfolg/bleiben» und «Misserfolg/wechseln» umschreibt: Waren Spieler in der vorangegangenen Runde erfolgreich, taten sie dasselbe in der neuen. Das Gegenteil taten sie bei Misserfolg – sie wechselten. Unter gewissen Umständen führte diese Strategie zu Kooperationen, indem sie unter den Spielern zur Regel wurde, unabhängig von kurzzeitigen Misserfolgen.

Was hat das nun mit biologischen Prozessen wie Krebsgeschwüren in menschlichen Körpern zu tun? Einfach gesagt ist Krebs ein Zusammenbruch der Kooperation. Oder anders gesagt eine unerwünschte Evolution. Denn Mutationen, die Ursache für die Bildung von Krebszellen sind, ignorieren Signale mit ihrem Treiben aufzuhören. Daraus entstehen wiederum neue Mutationen, die sogar noch effektiver als die Krebszellen Schaden anrichten können.

Eine wichtige Rolle bei diesen Prozessen spielt das Verhalten von Aktion und Reaktion unter den sich berührenden Zellen. Dr. Nowak entwickelte auf diese Erkenntnis hin ein Nachbarschafts-Modell. «Es ist mir weitaus lieber, mich mit Freunden abzugeben, die wiederum lieber miteinander Umgang haben», sagt Dr. Nowak.

Ergebnisse
Ganz neue Ergebnisse ergaben sich, sobald die Anlage des Spiels Gefangenendilemma etwas abgeändert wurde. Sobald Spieler in Netzwerken agieren konnten, spielten sie anders. Sie bildeten Kooperationseinheiten und machten sich so resistenter gegen Treuebrecher, die sich gegen den Uneigennutz in den Einheiten stellten. Eine erneute Anpassung der Anlage förderte noch einen weiteren Aspekt zu Tage: Ansehen ist ein weiterer Faktor, der eine Rolle spielt. Sobald von einem Spieler klar war, dass er nicht zur Zusammenarbeit tendierte, wurde er ausgeschlossen, währendem kooperierende Spieler belohnt wurden.

Ja und?
Man kann sich nun fragen, in wieweit das für unseren Alltag von Wichtigkeit ist. Ich denke, dass Zusammenarbeit längerfristig besser ist, als auf kurzzeitigen Gewinn aus zu sein. Systeme aller Art scheinen besseren Gewinn von Kooperation als von Alleingang davon zu tragen. Wie sehr dabei eine altruistische Einstellung Triebfeder für das eigene Verhalten ist, ist eine andere Frage. Denn in den Forschungsarbeiten Dr. Nowaks hat sich das Verhalten der einzelnen Spieler danach gerichtet, ob sie einen Gewinn von einem Entscheid zu erwarten hatten oder nicht. Demgegenüber sollte richtiger Altruismus nichts mit der Frage von persönlichem Gewinn zu tun haben.

Beschrieb Gefangenendilemma
Dieses Spiel funktioniert nach folgenden Regeln (Beschrieb von Wikipedia): «Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt fünf Jahre. Beiden Gefangenen wird nun ein Handel angeboten, worüber auch beide informiert sind. Wenn einer gesteht und somit seinen Partner mitbelastet, kommt er ohne Strafe davon – der andere muss die vollen fünf Jahre absitzen. Entscheiden sich beide zu schweigen, bleiben nur Indizienbeweise, die aber ausreichen, um beide für zwei Jahre einzusperren. Gestehen aber beide die Tat, erwartet jeden eine Gefängnisstrafe von vier Jahren. Nun werden die Gefangenen unabhängig voneinander befragt. Weder vor noch während der Befragung haben die beiden die Möglichkeit, sich untereinander abzusprechen.

Paradox kann dieses Dilemma genannt werden, da die individuell vernünftigste Entscheidung der Gefangenen (gestehen) und die kollektiv vernünftigste Entscheidung (schweigen) auseinanderfallen. Eine eindeutige verbindliche Handlungsanweisung kann nicht ohne Weiteres angegeben werden.»

Zentrale Fragen sind hier Schuld und Unschuld einerseits (tatsächliche Schuld spielt hier keine Rolle, denn auch der Unschuldige kommt besser weg, wenn er gesteht; auch etwas, das er nicht getan hat) und Vertrauen andererseits (optimal wäre es, wenn beide Spieler einander vertrauen und miteinander kooperieren würden).

(Quelle Bericht: The New York Times)

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