


Ist der Spezialist der bessere Problemlöser als der Generalist? Welche Grössen definieren den Begriff Intelligenz? Intelligenztests versuchen verschiedene Fähigkeiten fassbar zu machen und durch Vergleichsskalen als abstrakte Zahlen auszuweisen. Dass dabei nicht alle Aspekte gemessen werden, die für das Finden von Lösungen entscheidend sind, ist ein grosser Kritikpunkt der heute in Anwendung stehenden Intelligenztests.
Situation und Ursachen
Um ein Problem lösen zu können, ist es zunächst einmal wichtig, die gegenwärtige Situation zu erkennen. Und dazu wiederum muss man verstehen, welche Faktoren zum vorliegenden Problem geführt haben und wie diese funktionieren. Wer die Ursache nicht kennt, kann auch nicht verstehen, wie es zur Wirkung gekommen ist. Marketingfachleute würden von «Situationsanalyse» sprechen, Mediziner von «Anamnese» und geistliche Vertreter östlicher Weisheiten von «Karma».
Ziele und Mittel
Wenn man ein Problem hat, sucht man einen Zustand, der frei von diesem Problem ist. Man muss eine Vorstellung davon haben, was man mit dem Lösen des gegenwärtig vorhandenen Problems erreichen will. Der Marketer nennt es «Marketingziel», der Mediziner «Gesundheit» und der Geistliche «Nirvana».
Damit das Ziel erreicht werden kann, muss man die Mittel kennen, um es zu erreichen. Alleine vom Ziel zu träumen, bringt uns dem Erreichen des Ziels keinen Schritt näher. Und das ist es, was Intelligenz ausmacht. Man muss den gesamten Weg von der Erkennung des Problems, über das Verständnis der Ursachen, der Vorstellung des Ziels bis hin zur Wahl der richtigen Mittel richtig erkennen können. Marketingziele werden durch Auswahl und Umsetzung geeigneter «Marketingmassnahmen» erreicht, der Arzt verschreibt das «Mittel», das dem Krankheitsbild entspricht und der Geistliche «schult seinen Geist».
Jeder setzt die Mittel ein, die zum Erreichen seines jeweils angestrebten Ziels notwendig sind. Es wäre falsch, ein für die Behebung von Kopfschmerzen geeignetes Mittel, zur Milderung von Magenschmerzen einzusetzen.
IQ-Test
Da nicht alle Tests gleich funktionieren, muss hinsichtlich des Ergebnisses unterschieden werden. Man muss gewissermassen wissen, in welcher Währung gemessen wird. Das Ergebnis solcher Tests wird als Intelligenzquotient (IQ) bezeichnet. Wer seinen IQ messen möchte, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass er mit dem Test nur einige wenige Aspekte misst, wie Rechenfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen oder logisches Denken. Die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, kann aber nur bedingt gemessen werden. Aber gerade diese Herausforderungen sind es, mit denen wir im Alltag zu kämpfen haben. Eine Vielzahl von Ursachen und Umständen haben zur gegenwärtig vorhandenen Problemen geführt, und ebenso zahlreich sind oft auch die möglichen Lösungswege, um sie zu lösen.
Die Endzahl des IQ-Tests sagt also nichts aus über andere Aspekte der geistigen Leistungsfähigkeit. Soziale Kompetenz beispielsweise, die Art des Umgangs im Alltag mit anderen Menschen, wird dabei nicht gemessen. denn hier spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, wie ethische Werte, Erziehung oder Lebenserfahrung, die mit Zahlen kaum zu erfassen sind. Oft sind es aber genau diese Dinge, die die Wahl entscheidend beeinflussen. Währendem nach rein logischen Gesichtspunkten die rasche Flucht aus einem brennenden Haus gerechtfertigt erscheint, denkt der mitfühlende Mensch auch an andere, die möglicherweise in der selben misslichen Lage sind. Er wird sich zunächst vergewissern, ob er anderen helfen kann, die aus eigenem Antrieb das Haus nicht verlassen können. Trotz des Risikos, das er dabei eingeht, wird er erst dann das Haus verlassen.
Im Grunde genommen zeigt sich Intelligenz darin, ob jemand erfolgreich Probleme lösen kann oder nicht. Wenn man erkennt, dass man sich dazu bestimmte Fähigkeiten aneignen muss, ist auch das Ausdruck von Intelligenz. Oder man sieht, dass man einen Experten hinzuziehen muss, der in einem Gebiet das notwendige Wissen besitzt. Die Lösung des Problems lässt sich damit leichter erreichen, als wenn man selber stundenlang versucht, es zu lösen.
Mensa
Wer will, kann auf der Seite von Mensa (Verein hochbegabter Menschen) testen, wie hoch der eigene IQ ist. Vielleicht fühlt man sich nach Erreichen eines hohen Werts besser. Wer jedoch dazu neigt, durch solche Ergebnisse leicht überheblich zu werden, sollte den Test lieber lassen. Denn das könnte die soziale Kompetenz zu den eigenen Ungunsten beeinflussen.
In der «Da schau her»-Reihe bisher erschienen:
Klimaanlage
Zugabteil
Höflichkeit
0 Antworten to “Da schau her 0004 – Intelligenz”