


Das Recht auf Fortschritt kann man niemandem verwehren. Den Hunger auf mehr Energie auch nicht - oder? Ihr ahnt es, die Rede ist von dem Land, das gegenwärtig alle Ressourcen dieser Welt aufzusaugen scheint. Der Durst nach Energie ist in China so explosionsartig gestiegen (s. Bericht bei der Herald Tribune), dass es Engpässe in der Versorgung mit Benzin gibt. Das Auffüllen des Benzintanks wird da rasch zum Spiessrutenlauf. Transportunternehmen leiden besonders stark unter dieser Entwicklung, die höhere Treibstoffpreise zur Folge hat.
Ungebremster Durst
China ist mittlerweile der zweitgrösste Verbraucher von Öl; hinter den USA. Innerhalb der ersten acht Monate dieses Jahres sind die Ölimporte um satte 18,1 Prozent gestiegen. Die bisher (politisch) nieder gehaltenen Ölpreise haben denn auch zum grossen Wirtschaftswachstum des Landes beigetragen. Dass da die Umwelt auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand. Die chinesische Industrie benötigt 3,4 mal so viel Energie pro wirtschaftlichen Ertrag wie der weltweite Durchschnitt.
Und der Hunger wird weiter zunehmen; auch in anderen Bereichen. Die zwangsweise verordnete Einkind-Politik mag grausam erscheinen. In Anbetracht der immensen Probleme des Landes, zu denen auch eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln gehört, bekommt diese Massnahme jedoch eine andere Relation. Was wäre, wenn die Steuerungsmechanismen des Staates noch mehr abgebaut (oder umgangen) würden? Der Wandel zur Marktwirtschaft wird auch für uns, besonders hier in den wohlhabenden Ländern Europas, mehr zu spüren sein, als uns lieb sein kann.
Bumerang
Es scheint fast so, dass der Bumerang zurückschlägt. Bisher waren es die Länder der Ersten Welt, die es sich auf Kosten weniger entwickelter Länder haben gut gehen lassen. Wir haben uns an den Bodenschätzen anderer bedient - ohne, dass diese einen unmittelbaren Nutzen davon tragen konnten. Anstatt, dass beispielsweise die Regierungen Ölfördernder Staaten ihre Einnahmen in den Aufbau eines wirtschaftlich und sozial funktionierenden Netzes gesteckt hätten, haben sie lieber ihre Armeen mit (von uns hergestellten) Waffen ausgestattet. Nur einige wenige haben in den jeweiligen Ländern davon profitiert.
Fortschritt zwingend
Und nun wollen Länder wie China oder Indien unsere Nachfolge antreten. Vergraulen kann man es ihnen sicher nicht. Aufzuhalten sind sie ohnehin nicht mehr. Was zur Frage führt, welche Konsequenzen sich für uns daraus ergeben. Wir werden wohl noch intensiver nach neuen Mitteln und Wegen suchen müssen, mit knapper werdenden Ressourcen umzugehen. Steigende Rohstoffpreise werden den Einsatz alternativer Lösungen attraktiver, ja notwendig machen.
Wer die Zeichen der Zeit zu deuten weiss, wird sich für innovative Wege der Energiegewinnung einsetzen. Etwas, das übrigens auch schon die grossen Ölkonzerne eingesehen haben. BP hat eine eigene Forschungs- und Produktionsabteilung für Solarzellen. Aber der Wandel wird nicht ohne politischen Druck kommen. Dafür haben wir uns zu sehr an den (noch) bequemen Status Quo gewöhnt.
Und angesichts dieses Vergleichs fragt man sich, was man dann als Bewohner eines kleinen Landes überhaupt zur Verbesserung von gewissen Problemfeldern, welche wir als Weltbevölkerung haben, beitragen kann.
Danke für den Hinweis zum Vergleich. Diese Angaben sind wirklich wenig ermutigend. Dennoch, und da sind wir uns wohl alle einig, ist es immer noch besser, in seinem Umfeld das zu tun, was möglich ist, als den Kopf in den Sand zu stecken. Vielleicht kommt auch dieser Bumerang eines Tages zu uns zurück; nur eben in positiver Weise.