Unfreiwillig abgenabelt

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Die erste Amtshandlung, nachdem ich den Computer hochfahre, ist der Blick in die Mailbox. Wollte ich auch heute Morgen tun. Computer gestartet, Mailprogramm auch und dann - erst mal nichts. Das heisst fast nichts; ein endlos drehendes Aktivitätenlaufband (oder wie nennt man das Ding?). Das ist gewöhnlich kein gutes Zeichen.
Also alles abchecken: NT in Ordnung? ADSL-Router in Ordnung? Computer in Ordnung? Alle Fragen mit ja beantwortet. Computer-Neustart. Immer noch nichts mit Mailbox checken, nichts mit Internet-Surfen.

Entzugserscheinungen
Mit länger werdender Dauer der Internet-Absenz steigt die Nervosität. Und gleichzeitig steigt die Frage auf: Bin ich schon zum Web-Junky geworden? Schon ein übles Gefühl, wenn man abgenabelt wird - ohne es zu wollen obendrein. Also erneut den Computer runter- und wieder rauffahren. Noch immer nichts.
Die Auskunft beim Provider/Telefoniebanbieter (der mit dem neuen Erscheinungsbild; die hätten lieber das alte beibehalten und das Geld in die Technik gesteckt…) ist kurz und knapp: Schweizweite Probleme mit dem Netz. Wann sie behoben sein werden, ist unklar.

Was nun? Arbeiten
Bleibt mir nichts anderes übrig, als zu arbeiten (!). Dann muss ich die E-Mails zunächst mal auf Halde schreiben um sie dann hoffentlich bald abschicken zu können. Ein Inserat für das Blues Festival Basel 08 in einem französischen Bluesmagazin muss ich aufgeben; also mein Französisch entstauben und hoffen, der Empfänger hat genug Phantasie, um meine Sätze zu entschlüsseln. Dann einige andere E-Mails, die mehr oder weniger notwenig sind.
Und am Ende versuche ich es noch einmal. Müsste doch ein tolles Gefühl sein, mit einem Rutsch eine Handvoll Mails gleichzeitig wegzuschicken. Aber auch jetzt: noch immer nichts.

Mittlerweile ist es 10.30 Uhr. Da könnte die physische Post eingetroffen sein. Also der Gang zum herkömmlichen Briefkasten. Wenn der elektronische nicht funktioniert, muss wenigstens der vor der Tür etwas ausspucken. Ja, vier Briefe. Aber so toll, wie die elektronischen sind diese Sendungen nicht.

Erkenntnis
Irgendwann hat das Ganze dann doch wieder funktioniert. Bleibt die bittere Erkenntnis, dass ich schon etwas abhängig vom Netz geworden bin. Ohne Internet-Zugang, kein E-Mail-Verkehr, keine aktuellen Nachrichten, nix mit in Blogs stöbern und Beiträge auf meinem Blog platzieren. Und die herkömmlichen Postsendungen sind kein Ersatz dafür. Erinnert mich irgendwie an den Bericht von Reto auf nachhaltigBeobachtet zum Thema Leben ohne Fernseher.

Ein Scheiss-Gefühl - ich will es offen sagen.

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