Fühle das Differenzial

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Besonders die Franzosen tun es, aber auch die Engländer oder die Polen. Wert auf den Gebrauch der eigenen Sprache legen. In der nahen und fernen Vergangenheit hat es immer wieder Diskussionen zum Thema fremdsprachiger Begriffe im Gebrauch der eigenen Sprache gegeben.

Wie weit sollen Begriffe beispielsweise aus dem Englischen in den deutschen Wortschatz aufgenommen werden? Ist Englisch für alle verständlich oder gibt es nicht doch bessere Wörter in der eigenen Sprache? Antworten können möglicherweise Studien zum Verständnis fremdsprachiger Wortschöpfungen geben. Und einen Schritt weiter ist die Stiftung Deutsche Sprache, die nach dem besseren deutschen Begriff sucht.

Claims
Wenn gewiefte Werber schöne «Claims» kreieren, ist nicht immer allen klar, was sie damit meinen. Besonders dann, wenn sie in Englisch verfasst sind. Das Kölner Marktforschungsinstitut Endmark hat dieses Phänomen eingehender Untersucht. Bereits 2003 haben sie in einer Studie aufgezeigt, dass viele Deutsche die Werbebotschaften von Firmen nicht verstehen. Als Konsequenz daraus hat etwa die Parfümeriekette Douglas «Come in and find out» gegen «Douglas macht das Leben schöner» eingetauscht. Zwar nicht so sexy, dafür verständlich.

Cool aber unverständlich
Und auch eine zweite Studie von 2006 hat aufgedeckt, dass grosse Probleme beim Verstehen der Claims bestehen. Die Botschaft des Autoherstellers Jaguar ist gerade mal bei 8% der Befragten angekommen. Aus «Life by Gorgeous» haben die restlichen Befragten beispielsweise «Leben in Georgien» oder «Leben bei Georg» gemacht. Gewollt war «Leben auf prächtig/hinreissend» (auch nicht viel klarer …). Dem zweiten Autohersteller Ford ist es da zwar etwas besser ergangen, aber wenn 45% der Befragten aus «Feel the Difference» «Fühle das Differenzial» oder «Ziehe die Differenz ab» machen, ist grundlegend etwas schief gelaufen. Den «Unterschied macht» man da leider nicht mehr.

Doppeldeutig
Neben grundlegenden Verständigungsproblemen gibt es auch solche, die aufgrund von Wortspielen und Doppeldeutigkeiten zustande kommen. Der Begriff «State» im Claim «A State of Happiness» des Ferienparkveranstalters «CenterParcs» trägt sowohl die Bedeutung «Ort» als auch «Zustand» in sich. Etwas, das von den wenigsten der Befragten verstanden wurde.

Weitere Beispiele gefällig? (Quelle: Pressemitteiliung Endmark, 28.11.06)
Base «Freedom of Speech» (gedacht: Redefreiheit) führte zu:
- Frieden der Geschwindigkeit
- Rede in Frieden

Air-Berlin «Fly Euro Shuttle!» (gedacht: Fliege mit dem Europa-Pendeldienst) führte zu:
- der Euro Schüttel-Flug
- Schüttel den Euro zum Fliegen

Kia Motors «The Power to Surprise» (gedacht: Die Kraft zu überraschen) führte zu:
- die Überraschungsmacht
- die Power-Überraschung
- mit Strom überraschen

Beck’s «Welcome to the Beck’s Experience» (gedacht: mach’s/nimm’s auf deine Weise/ganz nach deiner Art) führte zu:
- Hast du deinen Weg?
- Nimm’s mit auf den Weg!

Gegenbewegung
Was treibt uns dazu an, nicht einen «Infobrief» sondern einen «Newsletter» zu versenden. Warum steht in der Formel 1 der Vorderste nicht auf «Startplatz 1» sondern auf der «Pole Position»? Oder weshalb ist kreativ-zielorientiertes Arbeiten nur in einem «Workshop» und nicht auch in einem «Arbeitstreff» möglich?

Genau diese Fragen stellt sich die Aktion Lebendiges Deutsch, ein Projekt der Stiftung Deutsche Sprache. Die Antworten werden alle zwei Monate gegeben. Noch bis Ende November steht beispielsweise der Begriff «chatten» auf dem Servierteller. Gibt es eine Alternative aus dem Deutschen? Wer will, kann seine Vorschläge einsenden.

Notwendig?
Diese und ähnliche Bemühungen mögen gekünstelt und kleinkariert wirken. In bestimmten Bereichen haben sich englische Begriffe oder solche aus anderen Sprachen wohl unwiederbringlich in unserem Gebrauch festgesetzt. In der Geschichte hat es aber auch andere Beispiele gegeben. Der «Aeroplan» wurde gegen das «Flugzeug» ersetzt oder der «Acteur» wurde zum «Schauspieler». Ob jedoch der «Computer» besser «Rechner» genannt wird oder «Sportwandern» das bessere Wort für «Nordic Walking» ist (unabhängig davon, ob man das Wandern mit den Stöcken überhaupt mag) bezweifle ich persönlich.

Einen bewussteren Umgang mit der Sprache generell und die gezielte Wahl eigensprachlicher Begriffe ist jedoch beste Garantie dafür, dass eine Sprache eigenständig und ausdrucksstark bleibt. Etwas, das wir doch alle wollen - sapperlot!

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