Bildung als Sprengstoff - OLPC

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Unlängst hat die serienmässige Produktion des 100-Dollar-Laptops der Organisation One Laptop Per Child (OLPC) begonnen. Im ersten Teil wollen wir mal genauer hinsehen, was das Gerät zu bieten hat. Anschliessend soll die Frage gestellt werden, wie sinnvoll das ganze Projekt überhaupt ist und welche folgen es für das soziale Gefüge haben kann.

Vernetzung
Betriebssystem des XO Laptop ist ein angepasstes Linux, das eine speziell für Kinder geeignete Bedieneroberfläche aufweist. Eine der Stärken des Projekts soll ja die Vernetzung untereinander sein. Das spiegelt sich in den Anwendungen des Laptops wider. So gibt es die Anwendung «Neighborhood», die visualisiert, wer in der Nähe gerade welchen Aktivitäten folgt. In der Folge können sich die Benutzer via Chat austauschen; zu zweit oder in Gruppen. Kabelloses Kommunizieren erleichtert den Prozess.

Bildung
Um dem Bildungsanspruch gerecht zu werden, gibt es beispielsweise «EToys», ein Learning-by-doing-Programm, das verschiedene Anwendungen miteinander verknüpft (Simulationen, Spiele, Text, Grafiken, Video, etc.). «Memorize» ist, wie es der Name sagt, ein Memory-Spiel, das nach Wunsch mit eigenen Bildern gefüttert werden kann. Schon anspruchsvoller ist «Pippy», eine einfache Einführung in die Programmierung mit Python. Und natürlich kann man mit dem Laptop auch E-Books lesen.

Unterhaltung
Für Unterhaltung sorgen dürften die Anwendungen «SynthLab», «TamTam Jam», «TamTam Edit» sowie eine Reihe von Zeichen- und Bildbearbeitungs-Programmen. Die «TamTam»-Programme ermöglichen das Spielen von Musik und das Erzeugen von eigenen Stücken.

Und natürlich
Dazu kommen auch allgemeine Anwendungen wie ein Internetbrowser, der obligate Taschenrechner, ein News Reader (RSS Feeds) oder ein einfaches Textverarbeitungssystem. Die Anwendungspalette wird laufend ausgebaut. Über einen Downloadbereich können neue Programme heruntergeladen und installiert werden.

Braucht es diese Laptops?

Dass das gesamte Projekt nicht überall auf Gegenliebe trifft, zeigen unter anderem Äusserungen Nigerias Bildungsminister Dr. Igwe Aja-Nwachuku; gegenüber der BBC stellt er das Projekt komplett in Frage: «Wo liegt der Sinn darin, Notebooks zu verwenden, wenn die Kinder nicht einmal Stühle haben?»

Über Sinn und Unsinn des Projekts liesse sich endlos streiten. Tatsache ist, dass die Laptops alleine keine Verbesserung des Bildungsstandards bringen können. Dazu braucht es ein ganzes Paket von Massnahmen, die ineinander greifend die gesamte Situation verbessern. Aber die Geräte können ein Teil dieses Pakets sein.

Soziale Spannungen
Brisant ist auch die Frage, wie es Kindern ergehen muss, die im Internet surfend die paradiesischen Verhältnisse der Ersten Welt kennen lernen, währendem sie selber kaum genug zum Überleben haben. Soziale Spannungen werden wohl nicht zu vermeiden sein. Unzufriedenheit über die eigene Situation, gepaart mit den eingeschränkten Möglichkeiten, tatsächlich etwas daran ändern zu können, ist ein explosives Gemisch. Das werden wiederum die Regierungen zu spüren bekommen, die solche Geräte zur Verfügung stellen. Daher sind Äusserungen, wie die des Nigerianischen Bildungsministers, in einem grösseren Zusammenhang zu sehen und durchaus auch nachvollziehbar. Die alte Frage also: «Wie viel Bildung tut meinem Volk gut?».

Berichte bei Golem
OLPC Deutschland - Studentische Initiative in Deutschland

Hier bisher zu diesem Thema erschienene Berichte:
Eins für zwei
One Laptop per Child: teurer
Intel unterstützt OLPC-Projekt
One Laptop per Child
Designer als Weltverbesserer

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