Da schau her 0007 - Entschluss

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Ungewissheit gehört zu den unangenehmsten Empfindungen unseres Daseins. Die Zeit scheint still zu stehen und darauf zu warten, dass sich etwas tut. Lähmende Starre umhüllt einen wie Watte, die die Sinne betäubt. Innerlich sieht es jedoch anders aus. Die Unsicherheit zerrt an den Nerven.

Bei den Betrachtungen hier geht es nicht um Unsicherheit in Bezug auf philosophische oder naturwissenschaftliche Fragen. Vielmehr sind Situationen angesprochen, wo es kein absolutes Richtig oder ein absolutes Falsch gibt und man ganz unmittelbar betroffen ist. Auf persönlicher Ebene wird eine gewisse Ernsthaftigkeit vorausgesetzt, Entscheidungen und deren mögliche Konsequenzen zu tragen. Der Faktor beratender Dritter soll zudem keine Rolle spielen, weil hier Fragen interessieren, wo man selber die Wahl treffen muss.

Ausgangslage
Von Angst oder Zerrissenheit geprägt sind besonders die Fälle, wo man zwischen zwei Möglichkeiten wählen muss. Sich für etwas zu entscheiden bedeutet nicht selten die Wahl gegen etwas anderes, das man genauso mag. Wenn zwei Möglichkeiten gleich verlockend sind, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, einer eine Absage zu erteilen. Die Angst, auf etwas Wertvolles verzichten zu müssen, erschwert den Entschluss.

Eine Richtung einschlagen
Wie kann diesem Dilemma so begegnet werden, dass man am Ende dennoch zufrieden ist? Selbst dann, wenn sich die getroffene Wahl im Nachhinein als die vermeintlich schlechtere herausstellen sollte? Zunächst ist es hilfreich zu erkennen, dass Unentschlossenheit ein grosses Hindernis ist. Man bewegt sich weder in die eine noch in die andere Richtung und raubt sich damit der Erfahrung, die sich aus der Wahl ergeben würde. Vor- und Nachteile der Möglichkeiten abzuwägen ist richtig und notwendig. Irgendwann muss man aber einen Weg einschlagen. Nach dem Entschluss folgen entsprechende Handlungen, die der Wahl Ausdruck verleihen. Erst durch Taten wird ersichtlich, dass man eine Wahl getroffen hat und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Handlungen verändern Situation
Sobald man zu handeln beginnt, muss man sich über eines im Klaren sein: Von hier an beginnt man unter veränderten Vorzeichen, denn die Handlungen beeinflussen das gesamte Gefüge. Durch sie fügen sich neue Elemente hinzu, die beim Prozess der Entscheidungsfindung noch nicht vorhanden waren. Natürlich versucht man möglichst gute Prognosen über zukünftige Ergebnisse, sich ein Bild über mögliche Konsequenzen zu machen. Durch die Dynamik neuer Handlungen wird das aber fast unmöglich.
Einfach gesagt: Entscheidungen können zu angenehmen oder unangenehmen Resultaten führen, die aber oft erst durch entsprechende Taten hervortreten. Weil das so ist, ist es müssig, im Nachhinein seine ursprüngliche Wahl zu bedauern; sofern das Ergebnis unbefriedigend ist. Diese Erkenntnis bringt eine gehörige Portion Gelassenheit. Sie hilft unangenehme Resultate besser zu ertragen und bei angenehmen nicht abzuheben.

Positiver und negativer Zweifel
Ein mächtiger Mitspieler ist der Zweifel. Er beeinflusst das eigene Verhalten und vergiftet nicht selten vor und nach der Wahl die eigene Zuversicht. Vor der Wahl lässt er einen zwischen den beiden Möglichkeiten hin und her springen. Danach hindert er einen daran, für die eigene Wahl einzustehen und die verworfene Alternative hinter sich zu lassen. Der Zweifel hat aber durchaus auch positive Seiten. Er verhindert, dass man sich leichtsinnig und zu rasch für etwas entscheidet. Aber eben nur so lange er nicht zum Bremsklotz wird.
Nach der Wahl ist der Zweifel ebenso unangenehm. Im Marketing hat man diese Gefahr erkannt und setzt ein entsprechendes Mittel dagegen ein: Positive Bestätigung. Kauft man beispielsweise ein teures Auto, flattern sogleich Mailings mit wohlformulierten Briefen und schönen Prospekten ins Haus. Sie beglückwünschen einen zur getroffenen Wahl und zeigen die Vorzüge der Wahl auf. Nach dem Kauf ist nämlich der Vergleichsprozess in einem immer noch aktiv. Man fragt sich - dieses Mal aus der Perspektive des Besitzers - war meine Wahl die richtige? Der Autohersteller will diese Frage um jeden Preis mit einem grossen Ja beantwortet haben, um den Kunden zum Stammkunden und damit zum Helfer beim Gewinn neuer Kunden zu machen. Mit entsprechenden Bestätigungen soll das erreicht werden.

Wachsam bleiben
Zurück zu Situationen persönlicher Fragen, wo man keine Bestätigung von Aussen erwarten kann - man muss sie sich selber geben. Hier lauert aber eine grosse Gefahr. Selbstbestätigung kann bei Übertreibung zu realitätsfernem Handeln führen. Wenn offensichtlich wird, dass man mit seiner Wahl in die falsche Richtung geht, muss mann daraus entsprechende Konsequenzen ziehen. Will man das sinkende Schiff mit positivem Denken an der Wasseroberfläche halten, schätzt man die Lage schlichtweg falsch ein. Man muss der Situation entsprechend andere Mittel wählen.

Einen Entscheid zu fällen heisst nicht, unter allen Umständen an ihm festzuhalten. Denn durch neue Handlungen verändert sich die Ausgangslage und macht manchmal eine Neubeurteilung der Situation nötig.

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