


Trotz Informatik und Internet ist der Papierverbrauch weltweit weiterhin hoch. Zur Herstellung von Papier werden verschiedene Rohstoffe benötigt. Wer bei deren Gewinnung und Weiterverarbeitung auf Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit setzen möchte, hat eine einfache Leitlinie: Das Zertifizierungs-System des Forest Stewardship Council, kurz FSC.
Voraussetzungen
Jährlich werden weltweit gegen 360 Millionen Tonnen papierverwandte Produkte hergestellt. Rohmaterialien dafür sind Zellstoff (meist aus Holz), Frischwasser sowie Füll- und Streichpigmente. Daneben wird Holz vor allem auch in der Baubranche als Werkstoff verwendet. Gemeinden und Kantone, die bei der Verwendung von Hölzern auf nachhaltige Quellen setzen, können sich als «urwaldfreundlich» bezeichnen, wenn sie gewisse Standards einhalten. Mehr dazu bei urwaldfreundlich.ch.
Grundgedanken FSC
Nachdem sich 1990 in Kalifornien eine Gruppe von Holzverwertern, Händlern sowie Vertretern von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen getroffen hatten, wurde in Kanada drei Jahre später ein Verein gegründet. Die Mission der Gründer kann in drei Punkten zusammengefasst werden:
1. Umweltverträglich
Die Waldbewirtschaftung garantiert eine intakte Biodiversität des Waldes, Produktivität und Ökologie.
2. Sozialer Nutzen
Lokale Anliegen werden ebenso berücksichtigt wie soziale Aspekte bei der Gewinnung der Rohstoffe.
3. Ökonomische Entwicklung
Ökologie und eine profitable Nutzung der Wälder widersprechen sich nicht. Eine geschickte Nutzung vorhandener Ressourcen garantiert Produktivität, die nicht zulasten der Umwelt geht.
Zertifizierung
Die Gewinnung der Rohstoffe, deren Weiterverarbeitung, respektive -verbreitung sind die Prozesse, die zertifiziert werden können. In den Waldstandards sind die Voraussetzungen festgelegt, die eine nachhaltige Waldbewirtschaftung garantieren sollen. Basis dafür sind zehn Prinzipien, die in 56 Kriterien aufgelistet sind und weltweit für die FSC-Zertifizierung angewendet werden. Diese werden unter Beteiligung der lokalen Interessenvertreter in regionalen und nationalen Standards verfeinert. In der Schweiz ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.
Nach der Waldbewirtschaftung sind die Verarbeitung und Verbreitung der Güter (Chain-of-Custody, kurz CoC) die nächsten Schritte. Diese werden nach separaten Normen zertifiziert. Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zum Ursprung eines Produkts ist nur eines der Kriterien, das einzuhalten ist.
Zahlen (FSC certification; Global Statistics 2007)
Währendem die Verbreitung zertifizierter Wälder in Europa mit knapp über 50% sehr hoch ist, sind nur gerade 2% in Asien zertifiziert. Von 1997 bis 2007 haben die Flächen weltweit auf rund 90 Millionen Hektaren zugenommen. Davon entfällt bisher leider nur ein geringer Teil auf tropische Wälder, nämlich rund 12% aller zertifizierter Wälder. Interessant ist das Verhältnis zwischen prozentualen Anteilen zertifizierter Flächen und Anzahl ausgestellter Zertifikate: Etwa 60% der Flächen entfallen auf öffentliche Wälder mit lediglich 229 ausgestellten Zertifikaten. Rund 35% private Flächen vereinen dafür mehr als das Doppelte an Zertifikaten in sich, nämlich 514 Stück.
FSC-Labels
Vier verschieden Labels stehen für vier Papierarten; alle haben gemeinsam, dass die Gewinnung der Rohstoffe nicht aus Raubbau stammen darf:
1. FSC Pure
Produkte aus einer Gewinnung, die zu 100% aus FSC-zertifizierten Wäldern stammen; heute noch selten.
2. FSC Mix
FSC-zertifizierte Rohstoffe werden mit solchen aus nichtzertifizierter Gewinnung gemischt, die aber aus kontrollierten Quellen stammen. Diese müssen gewisse Mindeststandards erfüllen. Auf diese Herstellungsart entfallen heute die meisten FSC-Papiere.
3. FSC Mix Recycling
Hier gelten die selben Standards wie für die FSC Mix-Produkte. Diese Papiere enthalten zudem einen Anteil Recyclingmaterial.
4. FSC Recycling
Ausschliesslich Recyclingfasern oder -holz werden zur Herstellung dieser Variante verwendet.
In der Schweiz werden seit 1997 Zertifizierungen der Waldwirtschaft und der Verarbeitung durchgeführt. Der Verein FSC Schweiz soll dereinst als offizieller Vertreter die Zertifizierung durchführen. Alle grösseren Papierlieferanten FSC-zertifizierte Papiere.
Konsument
Als Konsument kann man sich an den verschiedenen Labels orientieren und Papier aus nachhaltigen Quellen verwenden. Drucksachenhersteller sehen in der Nutzung dieser Papier einen Vorteil hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung. Wenn im Impressum steht, dass für die Produktion Papier aus nachhaltiger Produktion verwendet wurde, macht sich das gut. Somit verdrängt das FSC-Label langsam aber sicher den Vermerk «Chlorfrei gebleichtes Papier», das den Drucksachen bisher einen Grünen Touch verliehen hat. Genauere Infos über FSC-zertifizierte Produkte und FSC Unternehmen sind auf der FSC Papierdatenbank Europa abrufbar.
(Quellen: fsc-schweiz / Forest Stewardship Council / Broschüre die «7 Papiergebote»)
Nachtrag Bei Environmental Defense kann man mit dem PaperCalculator ausrechnen, wie sich die Wahl unterschiedlicher Papiersorten auf Verbrauch und Umwelt auswirken. via
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