Meine Stadt - Wien

Die Koffer sind endlich gepackt - trotz kleinem Koffer drei Kilogramm Gepäck-Übergewicht -, alles andere geregelt und die Blumen für die erste Woche präpariert. Danach wird sich eine gute Fee (danke Su.) um sie kümmern, ein Mitbewohner seinen Lebensraum um meinen erweitern und die Hausspinnen können endlich ungehindert ihre Netze weben.

Für einen Monat soll die Stadt eine andere sein, in der ich körperliche und geistige Ausflüge tun will. An einem etwas kurzen Wochenende vor 15 Jahren habe ich das Touristenprogramm erlebt, beschritten, abgearbeitet - das ist erledigt. Jetzt kommt der Genussteil und der soll aufholen, was die letzten fünf Jahre vermissen liessen, einer Zeit, fast gänzlich frei von Ferien.

Die Wahl auf Wien war relativ rasch gefallen. Es sollte eine Stadt sein, die gross (einiges grösser als Basel) und schön ist (schön als Sammelbegriff für verschiedene Dinge) und wo ich nicht ständig mit dem Stress konfrontiert werde, die den Gebrauch einer Fremdsprache mit sich bringt.

Nach Bekanntgabe meines Unterfangens (hört sich fast wie eine Expedition an) waren die Reaktionen meiner Freunde und Verwandten sehr unterschiedlich. Da gab es die, die selber schon da waren und ihre dort erlebten Geschichten zum Besten gaben; am Ende wussten sie gar nicht, weshalb ich hin gehen will. Dann gab es andere, die sich einfach darüber freuten und es toll, erstrebenswert, beneidenswert, ja gar mutig fanden. Wieder andere hatten Bedenken, dass es wohl langweilig werden wird, sich für einen ganzen Monat ausschliesslich in einer Stadt aufzuhalten.

Bezüglich meines eigenen Verhaltens brachten mich aber die Reaktionen einer ganz bestimmten Gruppe von Leuten zum Nachdenken: diejenigen, die mir Tipps geben wollten. Zunächst war ich gewillt, möglichst viele aufzusaugen. Ich will schliesslich nicht mit einem Reiseführer in der Hand die Stadt erkundend enden. Mit näher kommendem Abreisetermin (heute) bin ich aber mehr und mehr dazu übergegangen, diese Insidertipps dankend abzulehnen. Weshalb das so ist, konnte ich mir zunächst selber nicht erklären. Es war ein schwer fassbares Gefühl der Ablehnung. Erst nach und nach wurde mir klar, dass es mit dem Wunsch zu tun hat, die Stadt selber zu erkunden - also doch eine Expedition. Ich will die Strassen, die Menschen, die Gerüche, das Licht, einfach alles selber mit meinen Sinnen erfahren; auf frei gewählten Routen und das ohne konkretes Ziel. Die Tipps, auf die ich später gerne zurückkomme, empfinde ich zum jetzigen Zeitpunkt als Einschränkung.

Meine Unterkunft (danke Re.) habe ich einer Suchseite für WG-Zimmer zu verdanken, die Wahl des Quartiers (8. Bezirk) jemandem, der die Stadt als Studentin erlebt hat (danke Ru.). Das ist die Versuchsanordnung. Wohin das alles führen wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Auf jeden Fall wird Wien so zu «meiner Stadt» - mehr, als wenn ich den Stadtrundgang schon jetzt festgelegt hätte.

(Bilder 1 2 3)

2 Antworten to “Meine Stadt - Wien”


  1. 1 Ruth

    Gute Idee, die Tipps nicht anzunehmen. Viel Spaß beim Entdecken! R

  2. 2 Patrick

    Liebe Ruth, bin jetzt endlich in der Wohnung - die Übergabe hat sich verzögert. E-Mail, etc. läuft noch nicht so alles rund. Aber einen Kommentar kann ich hier schon mal schreiben. Bis bald, Patrick

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