

Das Gefühl schleicht sich an und ist dann mit einem Mal da. Samstag- oder Sonntagmorgen überfällt es mich manchmal; ohne ersichtlichen Grund. Den Zustand könnte man mit «Abwesenheit von Absicht» umschreiben. Nennen wir ihn der Einfachheit halber «Zeit-Enzian». Es gibt keine Verabredung zum Kaffee und auch keinen Kunden, der übers Wochenende noch seinen Auftrag erledigt haben will. Oder es gibt all das, nur pickst es gegenwärtig nicht im Hinterkopf, flüstert höchstens leise aus der Agenda - aber zu wenig laut.
Ich habe Zeit, einen Zeit-Enzian. Es ist nicht so, dass er mit einem Schlag, mit grossem Getöse ins Bewusstsein einfällt. Es ist eher, wie einem langsam aber sicher klar wird, dass man Gefallen an jemandem findet. Es gibt Leute, zu denen fühlt man sich unmittelbar bei der ersten Begegnung hingezogen. Und dann gibt es die, die man erst mit der Zeit attraktiv findet. Wenn man es erst tut, fragt man sich, weshalb man sie vorher nicht beachtet hat. Die Schönheit erschliesst sich schleichend. Ist sie da, freut man sich darüber. Der Enzian ist nicht mehr bloss das unscheinbare Blümchen. > weiterlesen ‘Da schau her 0009 - Zeit-Enzian’
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