Nachdenken ist nicht genug. Nachdenken ist zwar schon viel, definitiv aber nicht genug. Manchmal ist Nachdenken hinderlich, manchmal lebenswichtig. Nachdenken ist nicht nur auf geistiges Tun beschränkt. Es kann auch mit dem Körper geschehen.
Die Grenze zwischen geistigen und körperlichen Handlungen ist nicht scharf gezogen. Sie ist wie das Züngeln des Meerwassers, das je nach Gezeitenstand mehr oder weniger tief ins Landesinnere strömt. Jede Handlung wird vom Geist begleitet. Manchmal beobachtend, manchmal lenkend.
Dort wo Handlungen aus Erfahrung heraus geschehen, sind bewusste Gedanken wenig aktiv. Wer kreativ tätig ist, kennt diesen Vorgang. Zunächst wird das Handwerkszeug erlernt, das nach unzähligen Wiederholungen in Fleisch und Blut übergeht. Zu Beginn lenkt die Hand den Pinsel unter Aufbietung geistiger Aufmerksamkeit, wird der Fuss im Tanz in der richtigen Schrittfolge gesetzt. Der Körper muss zum Gedächtnis werden. Der Körper muss die Möglichkeiten als Vokabular speichern. Dass diese Arbeit notwendig ist, wird jeder Meister seines Metiers bestätigen. Es ist die Arbeit, die hinter dem Meisterwerk steckt, die aber zu rasch in Vergessenheit gerät. Sie scheint im Widerspruch zur Kraft des Kunstwerks zu stehen. Kunst soll erhaben sein, aus einer magischen Quelle entspringen. Da ist Arbeit fehl am Platz, die von einer Aura körperlichen Schweisses umgeben ist. > weiterlesen ‘Da schau her 0010 - das Ganze’
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