Archiv für die 'Kunst' Kategorie



Vergängliche Schönheit

kristal_2.jpgkristal_1.jpg

Nach den «stolen jewels» von mike an maaike (s. Bericht bei taxipluto) hier ein weiteres Schmuck-Projekt, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Entstehungsart Beachtung verdient.

Unter dem Titel «Unsustainable» hat Greetje van Helmond Schmuckstücke aus Zuckerkristallen kreiert. Diese wachsen direkt auf einer Schnur, die in einer Zuckerlösung gebadet wurde.

Fragil aber dennoch kostbar, aus alltäglichen Grundsubstanzen erzeugt, repräsentieren die entstandenen Stücke Unbeständigkeit und stehen so in direktem Kontrast zu Schmuckstücken, die gewöhnlich aus dauerhafteren Materialien hergestellt werden.

Zu sehen sind die Arbeiten im Rahmen der Royal College of Art summer show, noch bis 28. Juni 2007.

Links: Greetje van Helmond
Royal College of Art summer show
(via: dezeen, Bilder: dezeen / Nachtrag: neues Bildmaterial bei dezeen)

Post-Spion

box.jpgbox_1.jpg

Was erlebt ein Paket, wenn es per Post von einem Ort zum anderen spediert wird? Steht es manchmal Kopf oder wird es unsanft behandelt?

Die Antworten auf diese Fragen verdanken wir Tim Knowles. Er hat ein Paket, ausgerüstet mit einer Kamera die alle zehn Sekunden eine Aufnahme macht, auf den Weg geschickt. Aus den 6994 so entstandenen Bildern hat er einen animierten Film gemacht.

Link: Tim Knowles
(via: Boing Boing)

Stille Wasser gründen tief

hahn.jpghahn_1.jpghahn_2.jpg

Was geschieht in der Zeit, die man vor dem Fernseher sitzend verbringt? Für einen selber nicht viel – und doch. Auf jeden Fall vergeht die Zeit, man wird älter, und die Dinge draussen vor der Türe gehen ihren Lauf. Das eigene Leben jedoch nimmt eine Art Auszeit. Die Erlebnisse der Protagonisten, die auf der Mattscheibe um ihr Leben kämpfen, sich verlieben, sterben oder die Welt retten haben keinen direkten Bezug zu einem selbst. Die unmittelbare Umgebung wird ausgeblendet, die eigene Körperhaftigkeit abgeschüttelt und die Grenzen des eigenen Denkens überschritten. Was jetzt noch aktiv ist, ist das Gehirn, die Aufmerksamkeit, die sich von einem selbst, hin zu den Geschehnissen im Film wegtransportiert. So verlebt man zwar das eigene Leben, erlebt dabei aber nicht wirklich etwas – was nicht heisst, dass das Ganze ohne Wirkung bleibt.

Welche Spuren das Fernsehen in Gesichtern von Kindern hinterlässt, zeigen Fotografien von Wolfram Hahn. Er hat Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren aus der Sicht des Fernsehers aufgenommen. Am auffallendsten ist, dass die Abgelichteten unauffällig sind. Sie zeigen kaum Reaktionen, weder Freude noch Trauer. Der Körper wird quasi in der gegenwärtig eingenommenen Haltung konserviert. Im Inneren geht natürlich umso mehr ab. Welten entstehen, entwickeln sich und brechen wieder in sich zusammen, was Spuren im Geist der Betrachter hinterlässt. Das alles ist jedoch in den Bildern des Fotografen nicht zu erkennen. Entstanden sind verstörende Bilder; man wundert sich, dass die innere Anteilnahme der Kinder nicht deutlichere Zeichen in ihren Gesichtern hinterlässt.

Wer sich selber ein Bild der Fotografien machen möchte:
Entzaubert, Wolfram Hahn/Daniel Klemm
Galerie C/O Berlin
02.06. bis 29.07.07
Mittwoch bis Sonntag, 11.00-19.00 Uhr

Links: Wolfram Hahn
Bericht in der Süddeutschen Zeitung
(via: rebel:art, Bilder: Wolfram Hahn)

Malen nach Zahlen mal anders

kesterson.jpgkit-box.jpg

Für Leute mit kreativen Ambitionen gedacht, ermöglichen vorgezeichnete Schablonen einen doch noch, zu einem selbstgemalten Bild zu kommen. Die Sujets waren bis anhin eher in der biederen Ecke zu finden: Landschaften, Stilleben oder der Marktstand aus Omas Kindheit.

Diesen konventionellen Motiven hat Annette Kesterson eine neue Gattung hinzugefügt: Porn-by-numbers heisst eine Serie hübscher Damen im Pin-up-Stil. Sie wollte dieser Art des Malens etwas mehr Biss verleihen und dachte sich: «Jeder mag nackte Frauen». Auf ihre Motivwahl hin hatte sie auch negative Reaktionen – einige wollten auch noch ein paar Männerbildchen haben.

Für Psychologen wäre wohl interessant, was den Hobby-Künstlern beim Ausfüllen der Felder durch den Kopf geht. Vielleicht könnten sich Geisteswissenschaftler mal mit Annette Kesterson zu einer Forschungsarbeit dazu zusammenraufen.

Links: Annette Kesterson
Interview mit Annette Keserson
(via: SuperNaturale)

sit and wait

paraseat.jpgparaseat_1.jpg

In Anlehnung an Caroline Woolards Projekt «Have a Seat!» hat Steven Haulenbeek den «Paraseat» konzipiert, um das Warten im öffentlichen Raum etwas erträglicher zu machen. Eine Sitzlösung, die schon vorhandene Infrastruktur nutzt und ihr auf diese Weise eine zusätzliche Funktion zuschreibt.

Ist warten eigentlich eine Tätigkeit oder ist es die Abwesenheit davon, weil man dabei darauf wartet, der eigentlichen Tätigkeit nachzugehen, auf die man ja schliesslich wartet?

Links: «Have a Seat!»
«Paraseat»

Verstörende Gelassenheit

8.jpg1.jpg12.jpg

Es gibt Leute, die können mit den Ohren wackeln oder das Innere der Lippen nach außen stülpen. Die Bilder von Zhu Yunwei zeigen keines dieser Kunststückchen. Dennoch wirken sie künstlich. Der 25-jährige Student der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe hat aussergewöhnliche Portraitaufnahmen geschaffen. Jedes Portrait besteht aus zwei Bildern – einmal wurde der Portraitierte mit geöffneten, einmal mit geschlossenen Augen abgelichtet. Anschliessend hat er die beiden Bilder zu einem zusammengefügt. Dabei sind Portraits entstanden, die zwar ruhig aber irgendwie verstörend wirken.

Links: Zhu Yunwei
Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Götter legen ihr Weiß ab

kriegskopf.jpgtorso.jpg

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg räumt mit dem allgemein verbreiteten Irrtum auf, dass die Kunst der Griechen eine farblose Angelegenheit war. Ganz im Gegenteil: Die gut 70 beeindruckenden Rekonstruktionen und Abgüsse antiker Skulpturen geben eine Vorstellung der Farbigkeit, mit der Tempel und Skulpturen ursprünglich verziert waren.

Dem Hamburger Architekten Gottfried Semper (1803-1879), der mit seinen Forschungen einen wesentlichen Beitrag zur antiken Farbigkeit lieferte, ist ein weiterer Bereich der Ausstellung gewidmet.

Noch Mitte 18. Jahrhundert wollte man nichts von bemalten Skulpturen wissen. Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), der Begründer der Klassischen Archäologie, pries weiße Farbe als «diejenige, welche die mehrsten Lichtstrahlen zurückschickt, folglich sich empfindlicher macht, so wird auch ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist, ja er wird nackend dadurch größer als er in der Tat ist …» Anfang des 19. Jahrhunderts brachten jedoch erste Ausgrabungen farbiger Skulpturen am Aphaia-Tempel auf Aigina dieses Bild zum Wanken. Weitere folgten und führten zum nun aktuellen Bild der Kunst des antiken Griechenlands.

Die Ausstellung dauert noch bis 1. Juli 2007.

Link: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg