Salz - wohl abgeschmeckt
Was Salz auf die Bühne bringen, ist nur schwer mit Worten fassbar. Die Instrumente - Susanna Gartmayer an der Bassklarinette und Iris Kübler am Akkordeon - geben aber schon einen Hinweis. Zwei sich ergänzende, kontrastreiche Klangwelten treffen aufeinander. Meist temporeich, rhythmisch und mit einem Hang zur Avantgarde jagen, ergänzen und umgarnen sich die beiden Musikerinnen. Zu sehen am 16. Mai waren sie in der Sargfabrik im 14. Bezirk. Es war ein erlebnisreicher Abend mit der Aufforderung, genau hinzuhören und gewohnte Klangerfahrungen zu durchbrechen. Mir hat es gefallen.
Clara Luzia - Sommermelancholie
Ein Abend im Sommer unter freiem Himmel mit netten Leuten und Musik, die zwar die Sorgen nicht vergessen, sie aber erträglich machen lässt. Die Texte von Clara Luzia schwelgen in Erinnerungen, bohren in Konflikten und prangern auch schon mal die wirtschaftlichen Missverhältnisse an. Begleitet wird ihre Stimme von einer eingespielten Band, die Luzias Folksongs charakterstark unterstützt. Beim Konzert am 17. Mai war die summerstage zwar in klangtechnischer Hinsicht nicht der ideale Ort. Für das Sommergefühl mit Holunderduft und Donaurauschen aber genau richtig. Weitere Konzerte in der summerstage finden dieses Jahr noch bis 7. September statt. Hingehen, genießen und sich treiben lassen.
(Bilder: Patrick Vent)
Tom Waits erkärt das Motto PEHDTSCKJMBA für seine Tournee durch Amerika. Klar ist nur, dass nichts klar ist. Eine Pressekonferenz mit oder ohne Presseleuten? Bericht bis zum Ende sehen, dann wisst Ihr mehr…
Biffy Clyro - Machines (aus Puzzle)
Aus dem Erfolgsalbum Puzzle ist das akustische Stück Machines veröffentlicht worden; inzwischen die fünfte Single. Die erfolgreichen Schotten haben den Wechsel zum Major Warner unbeschadet überstanden. Diese Akustik-Single beweist es. MySpace - zuhause - via
New Idea Society - The World Is Bright And Lonely
Amerikaner die etwas nach Bands von der Insel klingen; die New Yorker New Idea Society mischen melancholische Texte unter ebensolche Töne und lassen dazwischen die Gitarren jaulen. MySpace - via
Emilie Simon - Végétal
Zwar nicht neu aber von mir neu entdeckt. Die etwas Gothic-angehauchte Simon schafft es mir ihrer manchmal intim, manchmal kraftvoll eingesetzten Stimme einen interessanten Klangteppich geschickt zu untermalen. Spannend und schön. zuhause
Vic Chesnutt - North Star Deserter
Eher im Folk angesiedelt sind die Songs von Vic Chesnutt. In Bob Dylan ähnlichem Stil bringt er seine tragende Stimme in Einklang mit akustischer und elektronischer Gitarre. MySpace - zuhause - via
Valgeir Sigurdsson - Ekvílibríum (Release 10.10.07)
Wer an Island denkt, dem fällt gleich die feenhafte Elektoprinzessin Björk ein. Das Land hat aber noch weitaus mehr zu bieten. Beispielsweise Valgeir Sigurdsson, der den kühlen Norden in eine Handvoll leichter Songs gepackt hat. Mit wenig Mitteln schafft er Atmosphäre und Intimität. (via arte.tv)
Misha - Teardrop Sweetheart
Auf dem Weg von Taipeh nach New York kann so einiges Passieren. Überstanden haben die Zwei den Weg von Misha gut. Im Gepäck mitgebracht haben sie den Pop-Sound aus den 60ern und ihn in New York mit Elektronik vermischt. Musik mit Feel-good-Faktor zum unbeschwerten Plaudern. (via arte.tv)
Architecture in Helsinki - Place Like This
So schräg wie der Bandname klingt auch die Musik zeitweilig. Mit Architektur oder Helsinki haben die Chaoten aus Melbourne gar nichts zu tun. Die Musik ist aber nicht disharmonisch. Schräg aber schon. Ein Interview gibt es übrigens bei Sellfish. (via motor.de)
Beach House - Beach House
Wer auf psychedelischen Sound steht, dürft bei Beach House richtig liegen. Reduktion heisst hier das Zauberwort. Ätherischer Gesang schwebt über sparsam eingesetzten Rhythmen. (via motor.de)
Eine Japanerin, die auch tatsächlich singen kann. Nach ihren Anfängen, die stark vom Black Music-geprägten Popstil der 90er beeinflusst waren, hat sie den Weg über elektronischen Experimental-Sound à la Björk zum jazzigen Elektropop gefunden. Streicher- und Bläser-Arrangements begleiten niedrig-geschaltenen Elektrobeat, was eine angenehme und leichte Brise verströmt. Klar, die japanischen Texte versteht nicht jeder. Aber die wirklich gute Musik lässt das vergessen.
The Bees - Octopus
Im Sommer hat man es gerne, wenn nicht alles hart und kompliziert ist. Genau so ist die Musik von The Bees. Man kann ihren Sound als seichten Flower Power-Pop abtun oder ihn einfach für das lieben, was er ist: Ein angenehmer Begleiter für die Grillparty am See.
Molloy - This Is Fucking Brilliant (release: 27.07.07)
Am Abend darf es dann aber schon mal was mit mehr Drive sein. Da kommen die Londoner Molloy gerade recht. Ihr Elektro-Rock bringt das Blut in Wallung und treibt den Schweiss aus den Poren.
Die Talking Heads haben mit ihrer Post Punk- und New Wave-Mischung aus Ska, R’n'B und Funk einerseits und tiefsinnig-skurrilen Texten andererseits Musikgeschichte geschrieben. Ab sofort sind Aufnahmen ihres Konzerts in Rom 1980 bei YouTube zu sehen.
Schade, dass es die Band nicht mehr gibt – sie hat sich Ende 1980er Jahre aufgelöst. Manchmal sind die Dinge halt komplizierter als wie sie in einem ihrer Songs (Creatures of Love) beschrieben werden:
A woman made a man
A man he made a house
And when they lay together
Little creatures all come out
Nebenbei: David Byrne unterhält einen eigenen Blog.
Nach den Mai-Tipps, die eher ein Blick in die Vergangenheit waren, dieses Mal wieder drei aktuelle Neuerscheinungen. Wenn es schon mal aus Deutschland was zu vermelden gibt, soll es auch getan werden. Vorher aber ein Vorschlag für Experimentierfreudige.
To My Boy - Model (Release: 18. Juni 07)
Die zweiköpfige Future-Pop-/ New Rave-Band aus Liverpool katapultiert uns in die Zukunft. Die Mischung aus Elektro und Indie hat bereits jetzt eine treue Anhängerschaft auf der Insel. Sam, einer der beiden Musiker, beschreibt deren Sound als «exzentrische elektronische Pop-Musik».
Bobo in White Wooden Houses - Mental Radio
Die Björk Ostdeutschlands ist wieder zurück. Bobolina, kurz Bobo war bereits in den 90er Jahren schon einmal mit Lorbeeren überschüttet worden, als sie eine Nominierung beim MTV Euro-Video-Grand Prix 1995 einheimste. In der Zwischenzeit ist viel geschehen. Ihre neue Indie-Rock-Scheibe «Mental Radio» kommt noch diesen Monat heraus und verbindet ihre engelsgleiche Stimme mit gutem Gitarrensound.
Wir sind Helden - Soundso
Die Ende letzten Monats herausgekommene CD Soundso hat auch den Baby-Zuwachs überstanden. Die Messlatte lag nach den ersten zwei Scheiben hoch. Ganz erreicht haben sie Judith und Co. nicht. Unter die etwas politischeren Stücke haben sich auch einige gemischt, die etwas gar unverbindlich daherkommen. Dennoch eine gelungene CD.
Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle die vier Rock’nIndie-Roller von Blondelle und die neue CD (letzten Monat erschienen) von den Arctic Monkeys vorstellen. Nach genauerem hinhorchen muss ich aber sagen, dass deren Sound sich kaum mehr von dem anderer UK-Bands unterscheidet. Daher richten wir unseren Blick mal auf das einsamste Land der Erde - nach Australien.
Sarah Blasko - What The Sea Wants, The Sea Will Have
Diese Musikerin kann mit ihrer Stimme den Tag zu einem versöhnlichen Abschluss bringen. Es muss ja nicht immer Tempo-Pop sein. Geboren auf La Reunion, später mit den Eltern nach Sydney zurückgekehrt, spielt sie Musik, die sich zwischen Lisa Ekdahl und Lene Marlin befindet. Ihre letzte Einspielung stammt aus dem vergangenen Jahr.
The Sleepy Jackson - Lovers
Multiinstrumentalist Luke Steele alias Sleepy Jackson ist wieder eher ein Vertreter der Adrenalin-Musik. Seine CD von 2003 gefällt mir fast noch besser als die letztjährig erschienene, weil da der Sound noch experimenteller und ungeschliffener daherkommt als auf der neueren Scheibe.
Mittlerweile gibt es im Internet ja eine Unmenge Möglichkeiten, den eigenen Musikhunger zu stillen. Das gleiche gilt für Informationen von und über die Musiker.
Eine ganz und gar entspannte Art und Weise, nach neuen Bands zu forschen, bietet MusicMesh. Eine Mind map-artige Maschine, die Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Bands herstellt. Gibt man beispielsweise die Band Yeah Yeah Yeahs ein, erscheinen auf dem Bildschirm die Arctic Monkeys oder Metric (schon mal was von denen gehört?). Klickt man dann auf die Affenband, macht es schwups und Belle and Sebastian erscheinen. Dieses Spiel könnte man endlos weiterspielen. Zu jeder CD sind in einem separaten Fenster weitere Informationen abrufbar - Tracklist, Bewertungen sowie der Eintrag in Wikipedia. Sofern vorhanden, können auch gleich noch Videos angeschaut werden.
The Concretes - Hey Trouble
Sound aus Skandinavien übt in unseren Breitengraden eine eigene Faszination aus. Vielleicht sind es die langen Nächte, die zum Tag werden und so mehr Raum fürs Schreiben guter Songs bieten. Die Band aus Stockholm mit Indiepop der angenehmen Art.
Bright Eyes - Cassadaga
Wer auf Folk der besonderen Art steht, sollte sich mal die neue Scheibe der Bright Eyes anhören. Multiinstrumentalist Conor Oberst singt mit melancholischer Stimme von Herzschmerz und Unglück auf seine unnachahmliche Weise.
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