Die Einführung eines fest vorgegebenen Todeszeitpunkts hätte eine ungeahnte Wirkung auf unser Leben. Nehmen wir an, es wäre von Vornherein klar, wie lange das Leben dauern würde – der Einfachheit halber sollen es sechzig Jahre sein. Natürlich müsste es auch eine Garantie geben, dass man tatsächlich so lange leben würde, man also nicht irgendwie übers Ohr gehauen würde.
Sechzig Jahre; das wäre klar. Die Auswirkungen auf unser Denken und Handeln wären immens. Man würde danach streben, eine Arbeit, ein Projekt, was auch immer, zu Ende zu bringen. Kleine wie große Ziele hätten einen festen Bezugsrahmen, der vorgibt, wie viel Zeit noch übrig bleibt. Lern-, Entwicklungs-, Berufs- oder Beziehungsziele könnten festgelegt werden. Es gäbe einen Antrieb, diese Ziele erreichen zu wollen.
Wettlauf mit der Zeit
Solche Überlegungen sind natürlich nichts weiter als theoretische Spielereien und sie sollen schon gar nicht eine Aufforderung zum kollektiven Selbstmord sein. Vielmehr können sie zu einer Reihe von Überlegungen führen, die eventuell auf das eigene Leben Einfluss haben können. Dieses steht für das genaue Gegenteil einer fest planbaren Größe. Weder der genaue Beginn (einmal abgesehen von künstlich eingeleiteten Geburten aller Art) noch das Ende eines Lebens sind für uns direkt wahrnehmbar und zeitlich bestimmbare Größen. Einmal auf der Welt, beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Der Todeszeitpunkt wird von diesem Moment an unaufhaltsam auf uns zustürzen. Weil wir nicht wissen, wann wir sterben, planen wir den Tod auch nicht wirklich in unserem Terminkalender ein. Und dementsprechend verhalten wir uns. Vage rechnen wir damit, noch bestimmt eine gewisse Zeit zu leben. Daher ist es auch möglich, bestimmte Dinge aufzuschieben. Zeit wäre ja später noch genug, um sie zu erledigen. > weiterlesen ‘Da schau her 0011 – Lebenselixier’
Nachdenken ist nicht genug. Nachdenken ist zwar schon viel, definitiv aber nicht genug. Manchmal ist Nachdenken hinderlich, manchmal lebenswichtig. Nachdenken ist nicht nur auf geistiges Tun beschränkt. Es kann auch mit dem Körper geschehen.
Die Grenze zwischen geistigen und körperlichen Handlungen ist nicht scharf gezogen. Sie ist wie das Züngeln des Meerwassers, das je nach Gezeitenstand mehr oder weniger tief ins Landesinnere strömt. Jede Handlung wird vom Geist begleitet. Manchmal beobachtend, manchmal lenkend.
Dort wo Handlungen aus Erfahrung heraus geschehen, sind bewusste Gedanken wenig aktiv. Wer kreativ tätig ist, kennt diesen Vorgang. Zunächst wird das Handwerkszeug erlernt, das nach unzähligen Wiederholungen in Fleisch und Blut übergeht. Zu Beginn lenkt die Hand den Pinsel unter Aufbietung geistiger Aufmerksamkeit, wird der Fuss im Tanz in der richtigen Schrittfolge gesetzt. Der Körper muss zum Gedächtnis werden. Der Körper muss die Möglichkeiten als Vokabular speichern. Dass diese Arbeit notwendig ist, wird jeder Meister seines Metiers bestätigen. Es ist die Arbeit, die hinter dem Meisterwerk steckt, die aber zu rasch in Vergessenheit gerät. Sie scheint im Widerspruch zur Kraft des Kunstwerks zu stehen. Kunst soll erhaben sein, aus einer magischen Quelle entspringen. Da ist Arbeit fehl am Platz, die von einer Aura körperlichen Schweisses umgeben ist. > weiterlesen ‘Da schau her 0010 – das Ganze’


Das Gefühl schleicht sich an und ist dann mit einem Mal da. Samstag- oder Sonntagmorgen überfällt es mich manchmal; ohne ersichtlichen Grund. Den Zustand könnte man mit «Abwesenheit von Absicht» umschreiben. Nennen wir ihn der Einfachheit halber «Zeit-Enzian». Es gibt keine Verabredung zum Kaffee und auch keinen Kunden, der übers Wochenende noch seinen Auftrag erledigt haben will. Oder es gibt all das, nur pickst es gegenwärtig nicht im Hinterkopf, flüstert höchstens leise aus der Agenda – aber zu wenig laut.
Ich habe Zeit, einen Zeit-Enzian. Es ist nicht so, dass er mit einem Schlag, mit grossem Getöse ins Bewusstsein einfällt. Es ist eher, wie einem langsam aber sicher klar wird, dass man Gefallen an jemandem findet. Es gibt Leute, zu denen fühlt man sich unmittelbar bei der ersten Begegnung hingezogen. Und dann gibt es die, die man erst mit der Zeit attraktiv findet. Wenn man es erst tut, fragt man sich, weshalb man sie vorher nicht beachtet hat. Die Schönheit erschliesst sich schleichend. Ist sie da, freut man sich darüber. Der Enzian ist nicht mehr bloss das unscheinbare Blümchen. > weiterlesen ‘Da schau her 0009 – Zeit-Enzian’



Für wen ist eine Entschuldigung wichtiger – den Übeltäter oder den Leidtragenden? Welche Chancen bieten Auseinandersetzungen generell? Und weshalb es dennoch sinnvoll ist, sich zu entschuldigen, auch wenn man damit zugefügtes Leid nicht ungeschehen machen kann. Eine Betrachtung in erster Linie aus Sicht des Täters.
Handlungen werden mit oder ohne konkrete Absicht ausgeführt. Solange Handlungen nur einen selbst betreffen und andere nicht tangieren, kann man tun und lassen was man will. Daneben gibt es solche, die direkte oder indirekte Auswirkungen auf andere haben. Entweder handfeste auf deren Körper oder weniger greifbare auf deren Geist. Aus den drei möglichen Arten von Handlungen – positiven, neutralen oder negativen – sind vor allem die Auswirkungen aus negativen Handlungen ein Problem. Antriebsfeder für sie ist leider oft nur der eigene Gewinn.
Die Handlungen sollen zu etwas führen, das erstrebenswert erscheint, wobei man schon mal in Kauf nimmt, dass andere darunter leiden. Auf dem Weg dorthin kreuzen sich Ansichten und daraus folgende Taten mit denen anderer, die etwas gegen die Handlungen und eventuell das Ziel haben. Die unmittelbaren oder langfristigen Folgen sind unangenehm für sie. Hier könnte man einwenden, dass jeder Betroffene selber Schuld an seinem Leid trägt. Ich möchte aber nicht die Frage der Schuld betrachten, sondern was geschieht, nachdem klar geworden ist, dass andere durch eigenes Handeln Leid davon getragen haben. > weiterlesen ‘Da schau her 0008 – Entschuldigung’



Ungewissheit gehört zu den unangenehmsten Empfindungen unseres Daseins. Die Zeit scheint still zu stehen und darauf zu warten, dass sich etwas tut. Lähmende Starre umhüllt einen wie Watte, die die Sinne betäubt. Innerlich sieht es jedoch anders aus. Die Unsicherheit zerrt an den Nerven.
Bei den Betrachtungen hier geht es nicht um Unsicherheit in Bezug auf philosophische oder naturwissenschaftliche Fragen. Vielmehr sind Situationen angesprochen, wo es kein absolutes Richtig oder ein absolutes Falsch gibt und man ganz unmittelbar betroffen ist. Auf persönlicher Ebene wird eine gewisse Ernsthaftigkeit vorausgesetzt, Entscheidungen und deren mögliche Konsequenzen zu tragen. Der Faktor beratender Dritter soll zudem keine Rolle spielen, weil hier Fragen interessieren, wo man selber die Wahl treffen muss.
Ausgangslage
Von Angst oder Zerrissenheit geprägt sind besonders die Fälle, wo man zwischen zwei Möglichkeiten wählen muss. Sich für etwas zu entscheiden bedeutet nicht selten die Wahl gegen etwas anderes, das man genauso mag. Wenn zwei Möglichkeiten gleich verlockend sind, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, einer eine Absage zu erteilen. Die Angst, auf etwas Wertvolles verzichten zu müssen, erschwert den Entschluss.
Eine Richtung einschlagen
Wie kann diesem Dilemma so begegnet werden, dass man am Ende dennoch zufrieden ist? Selbst dann, wenn sich die getroffene Wahl im Nachhinein als die vermeintlich schlechtere herausstellen sollte? Zunächst ist es hilfreich zu erkennen, dass Unentschlossenheit ein grosses Hindernis ist. > weiterlesen ‘Da schau her 0007 – Entschluss’



Was geschieht, wenn wir uns von jemandem trennen? Warum bereitet es so grosse Mühe, den anderen loszulassen? Eine kleine Reflektion darüber könnte Anstoss zu eigenen Überlegungen sein.
Funktion oder Person?
Es besteht ein gewichtiger Unterschied, ob man etwas oder jemanden vermisst. Wenn uns beispielsweise die Gesellschaft von anderen Menschen im Allgemeinen fehlt, muss das nicht heißen, dass uns eine spezifische Person fehlt. Diesen Fehler begehen wir aber dann, wenn wir uns von jemandem trennen, mit dem wir unsere bisherige Zeit verbracht haben. Was zurückbleibt ist ein Vakuum, eine Abwesenheit der anderen Person, die eine Lücke hinterlässt. Natürlich nimmt diese Person auch all jene Eigenschaften mit, die zur Trennung geführt haben. Aber diese Tatsache blenden wir aus und konzentrieren uns nur auf diejenigen Aspekte, die angenehm waren und nun fehlen. Und auch dabei verallgemeinern wir: So fehlt uns beispielsweise jemand, mit dem wir ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen wollen. Es ist diese Begleitung, die uns fehlt, jemand der diese Funktion ausübt und nicht so sehr eine spezifische Person. Und weil wir diesen Beschäftigungen bisher mit einer bestimmten Person gefolgt sind und diese nun nicht mehr da ist, fehlt uns diese Person. Denn diese Beschäftigungen waren bisher immer mit dieser einen Person eng verknüpft.
Person als Träger verschiedener Aspekte
Funktion und Person voneinander zu trennen ist nicht leicht. Denn wenn wir an eine Person denken, sehen wir sie stets als eine einheitliche Erscheinung. Wir sehen sie nicht als Träger verschiedener Eigenschaften, Funktionen und Intentionen. Genauer betrachtet ist sie das aber. > weiterlesen ‘Da schau her 0006 – Trennung’

Die Entwicklung der Weltreligionen in 90 Sekunden. Wo und wann haben die Weltreligionen ihren Anfang genommen? Hinduismus, Judentum, Buddhismus, Christentum und der Islam haben sich zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich entwickelt.
In einem Flash-Film wird aufgezeigt, wie die Ausbreitung vonstatten gegangen ist. Natürlich ist die Karte nur ein vereinfachte Darstellung. Gebiete, die einer einzigen Religion zugeordnet sind, werden tatsächlich von Völkern unterschiedlicher Religionen bewohnt. Gewisse Religionen werden gänzlich ausgeblendet, wie der Jainismus, Konfuzianismus oder Taoismus.
Dennoch ein schöner Film. Zu finden bei Maps Of War. Nicht ohne Ironie, dass der Film hier zu finden ist …
Zum Thema Philosophie sei an dieser Stelle das Buch «Philosophie-Atlas» von Elmar Holenstein (Ammann Verlag, ISBN 3-250-10479-5) empfohlen. Es zeigt anhand anschaulicher Grafiken die Entwicklung der Denksysteme unserer Welt.
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