Die Strasse als Tummelplatz für allerlei Künstlerisches, Albernes, Lustiges und zuweilen auch Poetisches. Zwei, die aus der Masse herausstechen.
Caroline Woolard
Sie bewegt sich in den Strassen, stellt Beziehungen zwischen Menschen und Gegenständen her und bringt Objekte in einen neuen Kontext. Sehr gut gefällt mir das Origami Teeritual mit einem Tisch ohne Beine. Aber seht selbst im Video hier:
Demakersvan – Dutch Design House
Das Alte nicht verwerfen aber sich mit dem Neuen auseinandersetzen. Anecken, aufrütteln und hinterfragen. Gutes Beispiel für diese Denkweise ist das Projekt Lace Fence. Poesie und Verspieltheit treffen hier auf industriell gefertigte Serienproduktion. via
Etwas weniger vergänglich, als die grossflächigen Zeichnungen am Strand von Jim Denevan (s. Bericht) sind die Zeichnungen in japanischen Reisfeldern. In den Präfekturen Aomori oder Yamagata hat sich eine eigene Kultur dieser Kunstform etabliert. In Inakadate (Aomori Präfektur) haben es den Reisbauern die Holzdrucke Hokusais angetan. Seit 1993, als lokales Impulsprogramm gedacht, lassen sie auf mittlerweile 15000 Quadratmeter Bilder wachsen.
Jedes Jahr wird im April festgelegt, welches Sujet umgesetzt und welche Farben verwendet werden. Das Bild wird in einem ausgeklügelten Verfahren in Punkte umgesetzt und Ende Mai von Reisbauern mittels verschiedenartigen Reissorten auf das Feld übertragen. Zwei alte Sorten (ki ine; gelber Reis und murasaki ine; roter Reis) ergeben gelb-, resp. braunblättrige Pflanzen und andere Sorten (Beni Miyako; roter Reis und Tsugaru Roman) ergeben frischgrüne Blätter.
Das fertige Ergebnis ist dann am besten Ende Juli zu bewundern. Das erwähnte Projekt in Inakadate lockte 2007 mehr als 150000 Besucher an. Geerntet wird jeweils Ende September. Ein Spektakel, an dem im letzten Jahr 900 Personen von nah und fern teilnahmen.
Diese Kunst ist zur Auslöschung verdammt. Wer mit Sand arbeitet, rechnet mit dem steten Zerfall. Zum Meerwasser kommen Wind und Regen. Jim Denevan fertigt Zeichnungen in Sand an – freihändig. Für bis zu sieben Stunden nimmt er gehend einen Strand in Beschlag. Was dabei herauskommt sind erstaunliche Zeichen in sonst zeichenlosen Räumen. Es sind Spuren, die auf der Grundlage des Vorhandenen aufbauen und auf Absicht hindeuten. Sind es auch Zeichen von Leben? Ist Absicht der Hinweis auf Leben?
Zuerst ist da die offene Fläche. Das Meer auf der einen Seite, der Strand und das angrenzende Land auf der anderen. Seine Zeichenutensilien sind Holzstäbe, die er am Strand selber findet. Andere Male nimmt er einen Rechen.
Für Jim Denevan ist der Vorgang des Zeichnens fester Bestandteil des Kunstwerks. Er ist von Rhythmus und Zeit gekennzeichnet. In den bis zu 50 km langen Zeichenwanderungen arbeiten Füsse, Hände und Orientierung Hand in Hand. Die entstehende Linie ist Ausdruck von Vergangenheit, im Sinne bereits gezeichneter Elemente, Gegenwart, im Sinne gerade entstehender Elemente und Zukunft, im Sinne des fertigen Kunstwerks.
Nach Fertigstellung wird es sich selbst überlassen. Die Gezeiten, das Wasser aber auch die Menschen beginnen die Zeichnung zu begehen. Zunächst mit Respekt, mit fortschreitender Auflösung zunehmend ohne Berührungsängste. Und irgendwann ist wieder alles beim Alten, die Leinwand gelöscht. Ist wirklich wieder alles beim Alten?
Bei KQED ist ein interessanter Film zur Entstehung seiner Kunstwerke zu sehen.
Gulf Coast Slabs
Der Name Katrina wird in Mississippi Neugeborenen wohl in nächster nicht sehr oft vergeben. Die Verwüstungen, die der Hurrikan angerichtet hatte, waren verheerend. Clay Ketter hat einen ganz eigenen Zugang zu den Auswirkungen der Unwetter gefunden: Er hat das fotografiert, was von den verwüsteten Häusern noch übrig geblieben ist. Herausgekommen sind abstrakte Grundrissbilder, die auf einst belebte Zuhause hindeuten. Ausstellung in London noch bis 18. Mai 2008 via
Mirinda July
Mirinda Julys Begabungen decken ein grosses Feld ab. Als Filmemacherin, Performance-Künstlerin und Schriftstellerin sucht und findet sie verschiedene Wege, ihr ganz eigene Sicht der Dinge darzustellen. Nicht genug; als Filmemacherin spielt sie gleich selbst in Me and you and everyone we know die Hauptrolle. Eigensinnig auch ihr wunderbar bedeutungsloses Video zu Top Ranking, einem Song von Blonde Redhead. Mirinda July – ein Gesamtkunstwerk.
Armsflow
Waffentransporte überziehen den ganzen Globus: Grafisch aufbereitet bei Armswflow. Es ist erschreckend, welche Volumina vom einen zum anderen Ort verschoben werden. Berechnungsgrundlage sind Informationen von Regierungsstellen sowie von Exportstatistiken der verschiedenen Länder. Eine Schieberei, die es besser nicht geben würde…
Sonnenlicht-Projektor
Die Sonne hat schon manchen zu poetischen Höhenflügen verleitet. Die Tatsache, dass die Sonne nicht nur Wärme gibt sondern auch Licht, macht sich der One Day Poem Pavillon zu Nutze. Wer die mehrteiligen Gedichte ganz sehen möchte, muss jedoch Geduld haben. Der Sonnenstand gibt jeweils immer nur einen Teil der mehrzeiligen Gedichte preis. Oder er schaut sich dieses Video an. Poesie von und mit der Sonne. via
Regen-Ernte
Von der Sonne zum Regen. Warum nicht Energie durch die Ernte von herabfallenden Wassertropfen gewinnen? Hört sich verrückt an – ist aber immerhin ein neuer Versuch, Energie aus dem zu gewinnen, was eh schon gratis da ist. Eine Methode, die sich in den Fällen aufdrängen soll, wo Solarzellen nicht zum Einsatz kommen können.
BottomsUp
Und noch was zum Thema Wasser. Wer dem Wasser, das aus dem Hahnen heraus rinnt, nicht traut, kann sich den BottomsUp-Wasserfilter auf die PET-Flasche schrauben. Gedacht für geschmacksgeplagte Stadtmenschen, die ihrem Wasser wieder eine neutralere Note verleihen wollen.
Nachtrag Dieses Video von Erika Janunger passt irgendwie zu dem von Mirinda July. Architektur, Bewegung und Musik vereinen sich. Durch die um 45 Grad gekippte Raumanordnung eröffnen sich dem Künstler ganz neue Möglichkeiten.
Kaum ein Medium ist besser geeignet als das Internet, um Bilder zu präsentieren. Fotografen bieten sich grossartige Möglichkeiten; unbegrenzte Reichweite, schnelles Aktualisieren des Portfolios sind einige davon. Zu finden sind immer wieder eindrückliche Serien, die das Spektrum menschlichen Daseins oder der Natur in Bildern festhalten.
Nichts für schwache Nerven ist etwa die Serie des serbischen Fotografen Boogie von New Yorks Strassen-Gangs. via
Beeindruckend sind die Aufnahmen der Serie Living in Three Centuries von Mark Story. Gesichter in Schwarz-Weiss, die Geschichten erzählen.
Auch die Natur bringt zuweilen überraschende Dinge hervor. Muster entstehen ungeplant und scheinen nur darauf zu warten, fotografisch festgehalten zu werden. Beispielsweise die Formationen fliegender Vögel auf Fresh Pics.
Eine Stadt wird von der Wüste zurückerobert. Kolmanskop, eine Geisterstadt im Süden Namibias.
Bei den Makroaufnahmen von Insekten weiss man manchmal nicht genau, ob es sich tatsächlich um lebende Wesen handelt oder doch um gläserne Kunstobjekte.
Zu sehen sind sie bei LucidMovement, einem Video Blog, der sich speziell mit den kleinen aber feinen Filmchen beschäftigt. Der Blog dient auch als Referenzquelle für Künstler. Zu jedem Film ist zudem deren Herstellungstechnik aufgelistet – besonders interessant für Filmemacher.
Die Filme haben fast etwas meditatives und sind eine kleine Abwechslung zum Arbeitstrott. Also, ab und zu eine kleine Ballonexplosion einstreuen und entspannen.
Faszinierende Miniaturen, die einem das Gefühl geben, auf einem anderen Planeten zu sein. Das ist die Welt von Kim Keever, einem in New York lebenden Künstler, dessen Arbeit manchmal als SiFi-artig oder Post-Apokalyptisch beschrieben wird.
Gezeigt werden in den mit Rauch durchzogenen, meist unwirtlichen Landschaften, gefallene Bäume, Berge, Pflanzen und Gewässer. Der Vorgang, der zum Endprodukt führt, ist aussergewöhnlich: In einem Wassertank wird die Landschaft mit Pflaster, Reflektierendem Mylar (eine Polyethylenterephthalat-Polyesterfolie) und anderen Materialien erschaffen. Anschliessend wird der Tank geflutet und das Wasser mit Farbpigmenten eingefärbt, die dann zur Illusion von Wolkenbildung beitragen. Mit Farbgels wird der Tank erleuchtet und anschliessend nimmt er das Ganze fotografisch auf. Die etwa 50 x 70 Inch grossen C-Prints hinterlassen sowohl einen Eindruck von Grösse als auch von Miniaturisierung.
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